Als ich gefragt wurde, ob ich mal eine Mitfahrt im Rallycross EM Skoda Fabia von René Münnich unternehmen möchte, fragte ich mich, ob das Ernst oder ein Witz sei! Erst überlegte ich, ob ich das wagen sollte und keine Sekunde später sagte ich: „Ja natürlich will ich.“ Dann kam der Tag X, Samstag, Schlüchtern, im Fahrerlager und das erste Rallycross-Rennen der Vereinsgeschichte des MSC-Schlüchtern. Gerade holten die Mechaniker von René den EM-Boliden aus dem Trailer und da stand er! Ein mit einem schwedischen 570 PS Motor ausgestattetes und allradangetriebenes Rallycross-Monster. Zusätzlich zu den ausreichenden PS, gesellen sich ca. 800 bullige Newtonmeter. Das müsste doch für einen raketenmäßigen Vorschub langen?

Nach einem Presse-Meeting im Sprecherturm, wurde die Reihenfolge der mitfahrenden Presseleute von Roland Hanke notiert. Um 14:00 Uhr war es dann soweit und wir versammelten uns alle auf der neu erbauten Startplatte vom MSC-Schlüchtern. Je näher der Augenblick kam, umso näher kam auch ein bei mir nie dagewesenes Bauchgefühl das irgendwie anders war, als ich es von mir kannte. War das vielleicht ein bisschen Angst, Freude oder eine gehörige Portion Respekt zusammen? Unten im Fahrerlager wurde der Skoda nun zum Leben erweckt und gestartet und das andere Gefühl stieg noch mehr in mir an. Als der Skoda dann seine bullige Front über die Kuppe Richtung Startplatte bewegte, wurde es so langsam Ernst. Wir schauten uns alle an und überlegten, ob unsere Entscheidung richtig war oder wir unseren Mut doch ein bisschen zu hoch angesetzt hatten? Die Mechaniker ließen noch einmal den Drehmomentschlüssel knacken und prüften das Auto. Dann schnallte sich der erste Fotograf an und René fuhr los. Ein lauter Knall schallte beim Gas wegnehmen vor der ersten Kurve aus den nicht kleinem Auspuffrohr in Richtungt Start. Spätestens jetzt waren alle, die an der Strecke standen, wach, aber für viele ist das ja reine Musik. Renè scheuchte seinen EM-Skoda abwechslungsweise mit den Presse-Männern um die neue Strecke.

Die Mitfahrt bei René Münnichmitfahrt_muennich_joröDie Mitfahrt bei René Münnich

Noch sitze ich nicht im Skoda!

Dann war er gekommen, der Moment, als ich den Helm auf meinem Kopf hatte. Nun überlegte ich nicht mehr, ob ich den Helm doch lieber wieder absetzen sollte, denn jetzt musste ich da durch und wollte es auch. Das Einsteigen durch die Rohre des Überollkäfiges in den Schalensitz, brachte ich gut hinter mich und Renés Mechaniker half mir beim Anschnallen des fünf Punkt Gurtes. Den Beifahrersitz, den die Mechaniker in den Skoda eingebaut hatten, war sehr tief und man konnte noch einigermaßen gut aus der Frontscheibe herausschauen.

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Aber jetzt! Und nun gibt es kein zurück mehr!

Nun war es soweit! Der Mechaniker machte die Türe zu und ich konnte sie eh nicht zumachen, denn ich saß so fest angeschnallt im Sitz und kam ich eh nicht an den Griff. René legte den ersten Gang mit einem schon etwas lauterem Schlag ein, was bei diesen Getrieben nicht unnormal ist. Wir sind dann schon sehr schnell in Fahrt gekommen und waren in null Komma nix in der ersten Kurve angelangt. Die schwedischen Pferdchen hatten ja auch ordentlich Futter vom Fahrer und dessen Gaspedal bekommen. Schon in der Einführungsrunde ließ René seinen Skoda ordentlich um die beiden ersten Kurven entlang driften, was mir und ihm einen enormen Spaß bereitete. Dann links hinunter in die Senke, durch die untere Kurve im sogenannten Loch und dann habe ich gedacht, dass wir irgendwo im Himmel wieder heraus kommen. Da sieht man erst mal nicht, wo man hinfährt. Aber zum Glück wussten René und ich, dass es da oben nach der Kuppe rechts herum geht. Als wir sozusagen wieder auf der Erde waren, brüllte der schwarzgelbweiße Skoda mit einem irrem Vorschub los und ich dachte, wer schiebt denn da hinten so enorm nach vorne? Dass diese Kanonenkugel so schnell im Schotterbereich vorankommt, hätte ich nie gedacht. Nach einem kurzen Blinzeln meiner Augen, flogen wir schon auf die erste Kurve nach der Schotterpassage zu. Ich konnte gar nicht mit mitbremsen, wie das manchmal die Beifahrer so machen, denn dazu hatte ich echt nicht die Zeit. In einem herrlichen Drift rauschten wir um die erste Kurve. Sven Kopf sah ich noch mit seinem Fotoapparat links auf dem Hügel der ersten Kurve stehen und dachte mir:  "Ob er heute auch das richtige Händchen zum Auslösen hat?"  Ja klar, er hatte es, und die Fotos wurden absolut toll. Lange konnte ich mich nicht um Sven kümmern oder vielleicht mal wie die Queen so locker aus dem Handgelenk winken, er war ja innerhalb einer Sekunde am linken Rand vorbeigeschnellt und war verschwunden.

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Im herrlichen Drift durch die Startplattenkurve

Einmal geschaltet, einmal kurz aufs Gas und wir waren schon wieder bei Kurve 1 nach dem Start. Dass die Handbremse nicht nur dafür da ist, das Auto zum Stehenbleiben zu zwingen, ist mir dann schnell klar geworden. Ein kurzer Zug am langen und senkrecht nach oben stehenden Handbremshebel plus einer kleinen Lenkbewegung am Lenkrad, ließ den Skoda leicht in die Kurve hinein driften. Wunderschön und sehr eng an der Streckenbegrenzung zirkelte René das Auto um die Links. Am Anfang lenkte er das Auto ein bisschen zu früh ein und ich dachte, dass wir nicht ganz die Kurve schaffen würden und uns mit der Böschung bekannt machen müssen. Da half nur eins. Vollgas und das Auto schoss quer schiebend und in einem untersteuerten Drift ein Stück nach vorne und schon war das Ding gegessen. Tschüss Kurve 1. René hatte seinen quer drifteten Allradler immer super im Griff. Ruck zuck waren wir an der nächsten Kurve, wo sich auch die Joker Lap befindet. Renè wählte nun die innere Asphaltbahn. Dann kam die Handbremse erneut zum Einsatz und es wurde gedriftet was das Zeug hielt. Wir bogen dann natürlich wieder schön quer in den Linksknick Richtung der unteren Strecke ein und schossen den Berg hinab in das Loch.
Als wir durch die Kompression prügelten, tauchte der Skoda doch erheblich in seine Federn ein und ich spürte einen recht ordentlichen Druck auf meinem Körper. Spätestens jetzt saß ich total fest im Schalensitz und ein Stückchen tiefer, dachte ich. Aber es blieb, wie es vorher war, tief in den Sitz gepresst und top angeschnallt. Die unterste Kurve drifteten wir noch einmal handbremstechnisch und wunderschön hindurch und dann ging es das zweite Mal in Richtung Himmel. Man, war ein klasse Gefühl und es war allererste Sahne. Auch die Menschen, die in der Höhe vom Sprecherturm standen, sah ich nur schemenhaft an mir vorbeischnellen.

Leider war es nach der Geraden vorbei und ich wäre total gerne noch viele, viele Runden mitgefahren. René sagte mir, dass irgendwas am Auto nicht in Ordnung sei und er langsam zum Service fahren müsse. Schade war, dass die anderen Presse-Kollegen nicht in den Genuss der Mitfahrt gekommen sind. Ich hätte es ihnen so sehr gegönnt. Das Hinterachs-Differential hatte sich mit kratzenden Geräuschen abgemeldet und eine Weiterfahrt war dann zu gefährlich. Folgeschäden sind dann sehr ärgerlich und teuer. Das Aussteigen brachte ich auch wieder gut hin, obwohl das gar nicht so leicht war. Immer wieder würde ich es wagen, so eine Mitfahrt zu machen, denn das bekommt man sonst nirgends geboten.

Die Mitfahrt bei René MünnichDie Mitfahrt bei René MünnichDie Mitfahrt bei René Münnich

Nach dem heißen Ritt. Ich wäre sehr gerne noch viele viele Runden mitgefahren ...

Einen riesen Dank muss ich aber noch an alle loswerden, die das ermöglicht haben. Als allererstes an Roland Hanke, der dies in die Taufe gerufen hat. Dann an Olaf Voß, der mich gefragt und dann angemeldet hat. Natürlich auch noch an den MSC-Schlüchtern und Harald Köpf inclusive seinem Helmverleih, Harald Klemann vom DMSB, Rainer Welzel von DRX-Media der die Fotos auf der Startplatte geschossen hat, ebenfalls Sven Kopf für die schönen Fotos auf der Strecke und den Piloten René Münnich, der es so richtig krachen ließ.

Hier ein kleines Video der Mitfahrt