Einen Ford MK2 zu bekommen, war nicht ganz so schwer, aber welches Idol sollte am Ende meine Vitrine zieren? Zwei Modellautos hatte ich ja schon vom sehr bekannten Wikinger Martin Schanche in meiner Vitrine stehen. Den Ford RS200 aus der Gruppe B Zeit und einen Ford Escort RS 2000 4x4 T16.

Ja, und da fiel mir die Entscheidung nicht schwer. Ich wollte zurück zu den Wurzeln und mache mich auf die Suche nach einem Ford Escort MK2. Und da waren wieder meine kleinen Probleme. Martins Escort hatte ein nicht unübersehbares Bodykit an seinem MK2 gepackt. Die Kastenverbreiterungen waren extrem groß und breit und von dem riesigen Heckflügel mal ganz abgesehen. Leider kam ich erst 1984 zum Rallycross und sah den MK2 nie live um den Kurs hetzen. Martins MK2 Nachfolger, den Ford Escort MK3 X-Track ließ mich dann mit riesengroßen und weit aufgerissenen Augen in Buxtehude an der Strecke stehen. Das war einfach nicht mehr normal!
Das war ein Auto! Allrad angetrieben, sauschnell und Feuer speiend, gab der Norweger dem Escort so dermaßen die Sporen, dass auch ein nicht Rallycross Fan kurzerhand in 2 Sekunden auf 100 einer wurde.

Nun aber weiter zum Modell. Modellautos dieses Baujahres konnte man noch gut bekommen, aber ich wollte schon einen mit diesen dicken Backen ergattern. Nach langem Suchen, finden, bestellen, warten und hoffen, hielt ich endlich mein Päckchen von einem Modellbaushop in den Händen. Innenliegend ein wunderschöner Ford Escort MK2 Zakspeed des bekannten Rundstreckenfahrers Klaus Ludwig. Es war ein tolles Modellauto und dieses komplett auseinander zu nehmen, war schon etwas traurig und schade. Aber ich hatte es mir schon in meinem Kopf komplett anders zurecht gelegt und wusste so einigermaßen, wie es am Ende aussehen sollte.

Das Zerlegen ging schnell von statten. Und da lag er nun, ein zerfledderter dicke Backen MK2. Zuerst wollte ich an den Verbreiterungen meine Hände weglassen, aber beim genaueren Betrachten der Vorlagen-Bilder, waren sie bei meinem Vorbild doch höher als beim Modell. Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen und natürlich baute ich nochmal mit einem 2 Komponenten Kitt an und hoch. Anschließend schleifen, schleifen und nochmals schleifen, bis es irgendwann mal gut war. Blinker und Lichter mussten natürlich abgebaut werden. Der vordere Teil wich dann auch wieder dem Kitt-Kleber und ich modellierte einige Lufteinlass-Löcher zu. Und wieder war schleifen angesagt ... oh man... aber ich musste und wollte das doch einigermaßen genau hinbekommen. Mit dem riesigen Heckflügel wartete ich noch, bis ich das Modell wieder zusammengebaut hatte, denn er sollte wie immer aus normalem Papier entstehen, was sich nicht gerade als sehr stabil erweist.

Zum Innenraum gibt es auch noch etwas zum Berichten, denn der Escort von Martin Schanche war ein Rechtslenker. Also knipste ich mit einer Zange kurzerhand das Armaturenbrett auseinander und bastelte die zwei Teile umgekehrt wieder zusammen. Noch irgendwie das Lenkrad auf die richtige Position und ich besaß einen Rechtslenker. Den Sitz umbauen machte mir natürlich keine Schwierigkeiten. Ein bisschen Farbe hier und da schlossen dann das Kapitel Innenraum ab.

Aber da war doch noch was ... dieser riesige Heckflügel, der Schanches heckangetriebenen Escort mit genügend Anpressdruck versorgte. Ich hatte es ja schon einmal erwähnt, dass ich die Flügel aus normalem Papier baue. Immer wieder aufs Original schauen, vergleichen, abschneiden, anpassen und schließlich aufkleben. Das ließ den Flügel annähernd gleich dem Original aussehen.

Modellauto Escort Zakspeed von Martin Schanche

Alles zusammen, das Modell, die Vorlage, der Kitt, das Werkzeug und der Dreck

Dann wurde natürlich weiß lackiert und der MK2 sah so schon klasse aus. Aber das ging natürlich so nicht und nach und nach erstrahlte das Modell untenrum in Blau. Die Beschriftung wurde wie immer mit einem superkleinen Pinsel aufgemalt. Ich nehme mir wieder eins vorweg, dass nicht alles an der Schrift perfekt ist. Die künstlerische Freiheit nehme ich mir immer heraus. Eben ein handgearbeitetes Einzelstück.

Leider besaß ich keinerlei Bilder, was auf der Motorhaube und auf dem Dach stand. Drei Rallycross-Fans sendeten mir einige Fotos zu und ich beschriftete eifrig weiter. Hiermit nochmal an die Bilder-Überbringer einen herzlichen Dank.

Sehr oft wieder werde ich gefragt, wie lange ich an so einem Modellauto werkele! Ich kann es Euch nicht genau schreiben, weil ich immer wieder mal zwischendurch aufgehört habe. Wenn man dazu keine Lust hat, dann wird es auch nichts. Aber etwas lustiges fällt mir noch ein. Eine fünf wöchige Kur verführte mich 2009, drei Rallycross Modellautos plus Werkzeug, Farbe und sonstigem Equipment mitzunehmen und in meinem Zimmer zwischendurch etwas zu basteln. Für die lackierten Modelle war übrigens die Sonne auf dem Balkon ein klasse Trockengerät. Ich muss heute noch grinsen, als das Reinigungspersonal immer ins Zimmer kam und sah, dass der Herr Röder mit Spielzeug-Autos bastelnd am Tisch saß. Natürlich konnten sie nicht einschätzen, dass das ganz besondere Autos waren, die nicht zum Spielen geeignet sind.

Der Escort MK2 ist nun eines meiner schönsten Modelle in meiner Rallycross Vitrine.

Fotos gibt es hier