Nach einiger Zeit Pausieren, hatte es mich wieder einmal gepackt ein Modellauto anzufertigen. Aber diesmal sollte es ein Autocross-Modell werden und kein Rallycross-Modell. Bei der Autocross Europameisterschaft ist mir und Gabi ein Fahrer aus Litauen aufgefallen, der erst ziemlich zurückhaltend schien, aber nach einem Smalltalk mit ihm doch sehr sehr nett war und er uns in seinem Race-Zelt total freundlich aufgenommen hatte. Der Fahrer war Paulius Pleskovas mit seinem starken und schnellen Ford Focus MK3.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch gar keinen Gedanken daran gehabt, diesen Focus im Maßstab 1:43 nachzubauen. Mit der Zeit dachte ich darüber nach, ob sich nicht auch mal ein Autocross-Modell zu meinen Rallycrossern dazu gesellen könnte. Gabi ist natürlich auch sehr angetan von diesem schönen Focus, der ihre Lieblingsfarbe trägt. Ich denke, dass das auch der Anstoß von ihr war, sich mal nach einem Focus im Kleinformat umzusehen. So ging der Jo auf die Suche nach diesem Modellauto. Ich fand nur einen normalen Straßen-Focus und dachte mir: „Keine Kotflügel-Verbreiterungen, kein Heckflügel usw.“ Das wird wieder eine harte und anstrengende Tortur, bis der Focus fertig ist und so annähernd aussieht, wie das Original von Paulius. Da die Entscheidung eh getroffen war, blieb mir nichts anderes übrig und ich erwarb den Standart-Focus. Ich hatte ja schon Erfahrungen mit meinen Rallycrossmodellen gesammelt und wusste, als der Kölner bei mir angekommen war, was ich machen musste. Erst komplett zerlegen und den Innenraum so leer wie möglich machen und ein bisschen die hinteren Sitze flach überkleben. Dann ging es an die Karosserie und mein Dremel leistete dafür eine gute Arbeit.

Nun schälte ich zuerst den Kühllufteinlass an beiden Seitenwänden heraus und dann musste ich noch an der Frontstoßstange große Löcher aufbohren. Als dies nun endlich geschehen war, machte ich mich an die Verbreiterungen mit normaler Autospachtel. Das ist natürlich auch eine ziemliche Arbeit, bis die dicken Backen endlich so geformt und geschliffen waren, wie ich es wollte. Nachdem die Metallkarosserie fertig war, baute ich die Scheiben und ein Gitter (Fliegengitter) in die Stoßstange ein. Und letztlich den Unterboden wieder an. Jetzt musste der weiße Grundlack erst aufs Modell und dann sah der Focus schon wieder wie ein richtiges Auto aus. Nach und nach wuchs die Lackierung und die Beschriftung mit einem sehr kleinen Pinsel und der bekannten Revell Modellbau-Farbe. Leider gab es das Lila nicht in diesen kleinen Farb-Döschen und ich musste mir im Baumarkt eine 750 ml Lila-Lackdose anmischen lassen. Natürlich benötigte ich nur einen Fingerhut von der Menge, aber anders ging es einfach nicht. Gabi drückte ich den kleinen Pinsel in die Hand, um den ersten Lila-Pinselstrich zu machen, aber nach einem Tupfer mit ihrer Lieblingsfarbe gab sie mir den Pinsel zurück und sagte: „Schatz sorry, das ist mir viel zu klein, mach du das ruhig weiter.“ Zwischen dem Lackieren und Trocknen habe ich aus normalem Papier noch die Schmutzfänger ausgeschnitten und angebaut. Der Heckflügel war dann noch eine weitere Herausforderung. Ich habe von einem Skoda WRC diesen abgebaut, zerlegt, an den Focus angepasst und befestigt. Den kleinen Zwischenspoiler hatte ich noch von irgendeinem Modell in meiner Kiste übrig und das Staub- und Bremslicht sind auch aus normalem Papier angefertigt.

Modellauto Ford Focus von Paulius Pleskovas

Drehmel und Feilen bei der Bearbeitung der Karosserie

Endlich war mein Paulius Pleskovas Cross Ford Focus fertig. Ich weiß nicht, wie lange es gedauert hat bis er so da stand, wie ich ihn haben wollte? Man hat ja nicht immer die Lust zum Basteln und pausiert auch mal. Jedenfalls ist die Beschriftung gar nicht so leicht, denn sie besteht nicht aus Aufklebern und wird bei mir nur mit einem sehr kleinen Pinsel aufgebracht, was mir irgendwie immer schwerer mit den Jahren fällt. Komplett detailgetreu bekommt man das natürlich nicht hin und das ist auch nicht schlimm.

Als Gabi und ich zur Europameisterschaft ins 620 Km weit entfernten Seelow hinter Berlin fuhren, freuten wir uns schon, Paulius das neue Autocross-Modell zu zeigen. Im Fahrerlager angekommen, machten wir uns auf die Suche nach ihm und endlich sahen wir ihn wieder mal live vor unseren Augen. Als ich dann das Modellauto aus der Tasche holte und ihm in die Hand gab, war er einige Sekunden völlig sprachlos und seine Augen scannten sehr lange den Modell-Focus. Das war schön anzusehen, wie er sich extremst freute. Ich musste ihm halt sagen, dass dieses Modellauto nicht zu erwerben ist. Er hätte es sehr gerne und sofort nach Litauen mitgenommen, aber er verstand das schon, dass der kleine Focus wieder mit nach Hessen reisen musste. Paulius holte gleich sein Handy heraus und fotografierte den kleinen Focus auf dem großen Focus, der eine andere Lackierung bekommen hatte.

Nun steht er in meiner Modellbau-Vitrine bei den anderen Modellautos und es ist jeden Tag eine Freude das anzusehen. Hergeben werde ich diese kleinen Schätze nicht, denn das sind für mich unbezahlbare Einzelstücke, die es so in dieser Art bestimmt nicht noch einmal gibt …

Und hier kommt Ihr zu den Fotos