Ortrand, Autocross & die ILP 2021

Ob ich mir das antue, nochmal Autocross zu fahren, habe ich mir reichlich überlegt, aber ehrlich gesagt, dann doch nicht so lange. Das LDK Motorsport Team aus Kleinwelka in der Nähe von Bautzen, hat mir ein Auto zur Verfügung gestellt, dass ich mit diesem in Ortrand fahren darf und kann. Die Freude daran und auch der Respekt hielten sich in der Waage. Wir wussten, dass es regnerisch wird und dass es natürlich auf der Strecke sehr rutschig werden würde, was halt nicht zu ändern war. Jetzt mussten alle durch und das taten auch alle. Das erste Mal wieder in einem Autocross-Fahrzeug zu sitzen war schon aufregend genug und ich kannte die Strecke in Ortrand nur vom vielen Fotografieren der Veranstaltungen. Auch kannte ich den Rover nicht vom Fahren selber. Na ja, das Beste wurde daraus gemacht und ich war erst mal letzter im freien Training und auch im Zeittraining mit ca. neun Sekunden hinter dem ersten zufrieden. Rutschig war gar kein Ausdruck, denn es war super rutschig auf der Strecke und auch mindestens zwei große und tiefe Löcher auf der Strecke waren heikel! Ist man nur ein bisschen schneller, als man sein darf, geht es gnadenlos in der Kurve gerade aus und man strandet in der Leitplanke oder am Erdwall. Kommt man in den losen Matsch, dann heißt es nur erster Gang rein und Vollgas, um da irgendwie wieder heraus zu kommen. Leider bin ich da zwei Mal in dieser hohen Matschepampe gelandet, was natürlich mein eigener Fehler war. Mein erster Vorlauf am Samstag beendete ich leider mit Platz Fünf und damit als letzter.

Ein bisschen Kopfzerbrechen machte uns unser Rover 214 Si, weil beide Keilriemen nach dem Fahren nicht mehr da waren und wir dringend Ersatz brauchten. Für die Lichtmaschine hatten wir einen dabei, aber nicht für die Servolenkung. Danke ans Autocross Team Pappritz, an Enrico und Domenic Sachse fürs aushelfen. So ganz passte der Riemen von der Länge nicht und wir mussten uns etwas einfallen lassen, damit er nicht so locker über die Riemenscheiben flatterte. Als ex Kfz. Mechaniker bin ich mir auch nicht zu schade, mich selbst unter das Auto zu legen und zu mitzuhelfen. Denken, Handeln, Schrauben, dann war alles super und wir haben zusammen das Problem gelöst.


Am Sonntag gings dann zum zweiten Lauf und dieser war nicht so schlammig als am Samstag. Ich wurde jetzt als vierter abgewunken. Den Wettervorhersagen kann man glauben oder auch nicht und in diesem Fall kam es ganz anders als erwartet, denn der Rennsonntag war vom Wetter her wunderbar, trocken von oben und mit viel Sonne.
Den dritten Vorlauf werde ich nicht so schnell vergessen. Zwei Mitkonkurrenten waren sich in einer Kurve nicht einig und einer drehte den anderen genau vor meiner Nase. Tja, einfach Anhalten hinter den zwei stehenden Fahrzeugen war keine Option, also den ersten Gang rein, um beide durch den tiefen Dreck herumfahren und Vollgas weiter. Ich weiß nicht, wie ich das geschafft habe, aber ich beendete - natürlich auch mit einem bisschen Glück- den dritten Vorlauf auf Platz zwei! Mein Team war völlig aus dem Häuschen, als ich ins Fahrerlager fuhr und das ist schon ein tolles Gefühl.
Durch diesen zweiten Platz stand ich dann im Finale in der ersten Startreihe, was schon ein bisschen „komisch“ war, aber auch super schön. Die Anspannung, die man kurz vor dem Start hat, kann ich hier gar nicht widerspiegeln und was einem da alles durch den Kopf geht. Klappt der Start und verpasst man nicht das Aufblitzen der grünen Startampel, wie kommst du weg, wie verläuft die erst Kurve und Acht Runden zu fahren ist auch nicht so wenig. Neben den beiden schnellen Hondas zu stehen war schon klasse, aber ich wusste schon, dass ich über die Runden da nicht so viel ausrichten kann. Auch hat unser Rover 1.400 ccm und die Fahrzeuge meiner Mitkonkurrenten 1.600 ccm. Der Unterschied von der PS-Zahl liegt schätzungsweise bei gut 40 PS! Also ist das von Anfang an klar gewesen, dass es um die vordersten Plätze mitzufahren echt schwer werden würde oder eigentlich gar nicht.

Als die grüne Startampel im Finallauf aufblitzte, ich im ersten Gang alles gab samt Rover, wunderte ich mich nach ein paar Metern, denn ich war mit der Nase vorne und als ich in den zweiten Gang geschaltet hatte, wars dann vorbei mit der Nase vorne. Das Getriebe könnte anders übersetzt sein, damit man beim Umschalten in den zweiten Gang genauso weiterdreht, als im ersten. Nur ist das so schnell nicht zu ändern. Robert Pappritz zog dann an mit vorbei, bog als erster in die Hölle ein und ich hinterher. Ich sah nur für eine Sekunde, dass es hinter mir Reibereien gab und ich, mein Team und auch alle Zuschauer waren überrascht, als ich als zweiter aus der Hölle heraus auf die Zielgerade kam. Dann war es Kämpfen pur, denn meine Mitkonkurrenten hatten das Rennen wieder aufgenommen und wollten natürlich wieder nach vorne, was mir schnell bewusst war. Jetzt bloß keinen Fehler machen, ruhig fahren, aber dennoch alles geben. Es muss erstmal jemand selbst gefahren zu sein, dass man weiß, wie man doch in so einem Fahrzeug sich anstrengen muss, um alles gut zu überstehen. Eingang Hölle stand ein Fahrzeug, das nicht mehr weiter fahren konnte nach dem Startcrash und es wurden die gelben Flaggen gezeigt. Über das beachten und auch über das nicht beachten der gelben Flaggen werde ich mich hier nicht auslassen! Ein Honda überholte mich in der Mitte des Rennens und somit lag ich auf 3. Dann tauchte ein weiterer Mitkonkurrent hinter mir auf und machte mir das Leben schwer. Klar hatte ich versucht in den Kurven innen zu bleiben und mich vorne zu behaupten und das gelang mir schon. Der Polofahrer wollte mich dann in der Nähe der gelben Flaggen und kurz vor dem „Hindernis“ überholen und ich dachte, was macht er denn da! Außerdem berührten wir uns kurz, aber ich gab nicht nach. Als wir an der Startgerade vorbei fuhren, zeigte man die Verwarnungs-Flagge mit einer Nummer drauf. Ich muss zugeben, dass ich zu lange darauf geschaut habe und der Polo mich dann überholt hatte. Das war schon mein Fehler gewesen, aber ich habe halt zu lange geschaut, wem diese Verwarnung galt - mir zumindest nicht.
Dann war es zu spät und ich wurde als vierter im Finale abgewunken und ich ärgerte mich emens. Nur war es nicht mehr zu ändern und ich habe mich mit dem vierten Platz abgefunden. Was mir dann komisch vorkam war, dass wir alle ins Fahrerlager zurückfahren mussten und nicht die ersten drei zum Ziel für eine Schnell-Siegerehrung.

Wir mussten dann alle zum Rennleiter und keiner wusste genau warum? Der Polofahrer wurde einen Platz zurückgesetzt und somit landete ich auf Platz drei im Finale. Natürlich war die Freude riesig und ich habe meinen ersten „Fahrpokal“ eingefahren.
Natürlich auch noch mal hier einen herzlichen Glückwunsch an meinen Teamkollegen Justin Lottmann für seinen hart erkämpften dritten Platz beim Trabant Cup im Finale. Wir haben dadurch zwei dritte Platze fürs Team eingefahren.

Damit ging ein tolles und aufregendes Autocross-Rennwochenende zu Ende und man kann seine Eindrücke, die man noch im Kopf hat, gar nicht alle schreiben.

Danke an den Veranstalter in Ortrand für die gute Veranstaltung, danke an Andreas Flashar den Streckensprecher, für deine tolle und liebe Moderation, die ich dann hinterher immer erzählt bekommen habe.

Aber mein größter Dank geht an mein super klasse Team LDK Motorsport, denn ihr habt so viel für mich getan, dass ich dieses Rennen fahren durfte und konnte. Ihr habt noch einen anderen Motor vor dem Rennen in den Rover eingebaut und alles andere fertig fürs Rennen organisiert. Ihr seid eine top Truppe und tut immer alles was möglich ist, damit es läuft. Aufgeben ist bei euch keine Option. Vielen Dank ALLE im Team, die irgendwas mit damit zu tun haben um ein Rennen zu bestreiten. Vor dem Rennen, während dem Rennen und auch nach dem Rennen.

Mein Ziel war: Am Sonntag im Finale mit allen vier Rädern unbeschadet und selber ins Ziel zu fahren.

Wo mich der Weg hinführt, werden wir sehen. Nach meiner langjährigen Fotoarbeit auf den Strecken gibt es ein paar Dinge, die ich einfach nicht mehr akzeptieren will und mir für die Zukunft darüber Gedanken machen werde. Es war bestimmt nicht das letzte Rennen für mich für uns, für LDK Motorsport.

JoRö - LDK Motorsport